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Block I

Erholungsheim für in- und ausländische Militärs

Die Bezeichnung I erhielt der Block aufgrund des nach Kriegsende abgetragenen südlichsten Flügels (=Blocks) der Anlage. Der sog. Block I war bei Kriegsende ein unfertiger Rohbau des geplanten KdF-Seebades Rügen. Parallel zum Wiederauf- und ausbau des benachbarten Blocks II für militärische Zwecke entstand in den drei nördlichsten Lichthöfen ein Lazarett für erkrankte Soldaten (Sanitätsbataillon der 8.Motorisierten Schützendivision). Die übrigen Lichthöfe wurden zu einem der größten Militärerholungsheime der DDR ausgebaut. Ab 1965 gehörten auch die die drei nördlichen Höfe zum „Walter-Ulbricht-Heim“. Hier urlaubten mit ihren Familien nur jene, die linientreu und „verdient“ zur Verteidigung des Sozialismus beitrugen. Zahlreiche Zivilbeschäftigte sorgten für deren Wohl. Auch Bausoldaten, die DDR-Waffenverweigerer, wurden hier eingesetzt. So existieren bis heute zahlreiche private Erinnerungen in den Nischen der Gesellschaft, die mit der offiziellen KdF-Bad-Darstellung nichts zu tun haben.

Der Block mit zahlreichen Parkettfußböden in seinen rund 500 Zimmern gliederte sich nach militärischen Rängen von Nord nach Süd aufsteigend – mit dem sog. Generalstrakt am südlichen Ende. Bis zur Entkernung ab 2014 demonstrierte er, wie es sich die Militär-Elite der DDR und des sozialistischen Auslandes „schön“ machte.

Wie im „Palast der Republik“ wurde in Block I zudem an der Geschichte des vereinigten Deutschlands geschrieben. Am 27. Juli 1990 wurden hier die Grundzüge der „Integration“ der NVA in die Bundeswehr verhandelt.

1991 musste das Heim schließen. Es folgten private Pachtnutzungen und eine große Jugendherberge. Die Bundesrepublik Deutschland, in deren Besitz die Immobilie nach der politischen Wende gelangt war, strebte die Privatisierung und Sanierung unter Berücksichtigung ursprünglicher Pläne an. Der fortan dem Verfall preisgegebene Block stand zehn Jahre lang leer. Die noch intakte, für den Ostblock verhältnismäßig mondäne Inneneinrichtung verfiel. Dies schien so gewollt.

Zwischen 2006 und 2012 wurde Block I zum Spekulationsobjekt, dessen Wert sich etwa verzehnfachte. 2012 ging er für 2,75 Mio Euro an die Berliner Immobiliengesellschaft Irisgerd, die ihn ab 2014 sanierte. Vier Jahre später meldete sie Insolvenz an. Doch die Geschichte des inzwischen als KdF-Denkmal sanierten Blocks geht als Teil des erst jetzt entstehenden Seebades Prora weiter.

Schmiedeeiserne Treppengeländer sind die wenigen Elemente aus der DDR-Geschichte, die aufgrund eines Plädoyers seitens DenkMALProra bewahrt werden konnten. Im Jahr 2010 merkte eine ZEIT-Leserin an, die im Erholungsheim Prora als Kind urlaubte:

„Fotos durften wir keine machen, weil ja geheim. (…) Es gab Einkaufsmöglichkeiten, Kino, Billardräume, Gaststätten, in jeder Etage einen riiiisigen Speisesaal und wer weiß was noch. ‚Tanz“ fand ja schließlich auch statt. Mir kommt Prora vor wie die Titanic der DDR. Einfach untergegangen und vergessen.“

Klub in der ausgebauten sog. Liegehalle Block I.  © Sammlung DenkMALProra

Vor Ort findet die DDR-Geschichte nicht mehr statt. Material hat DenkMALProra reichlich gesammelt, weitere Informationen sind willkommen!

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Buchtipp:

Nähere Informationen zu Block I im Buch Prora-Kolossales am Südstrand, 2019